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Adventskalender 2019

14. Dezember

Ein leichtes Schwert

Gib mir ein leichtes Schwert
für meine schwere Hand

eins das führt, wenn ich folge
und folgt, wenn ich führe
ein leichtes Schwert

eins das tanzt wie ein Schmetterling
tanzt, tanzt, tanzt

Eins das Jungfrauen zersägt
das Dämonen zerschlägt
keine andere duldet
als die, die es trägt

Ein Schwert, das schrecklich ist
und wunderbar
das im Dunkeln leuchtet
bei Gefahr

Ein leichtes Schwert […]

Inspiriert durch das Lied „Ein leichtes Schwert“ von Judith Holofernes.

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13. Dezember

Ohne dich sein
ganz ohne dich

und langsam
zu vergessen beginnen
wie es mit dir war
ganz mit dir

und dann halb
halb mit und halb ohne

und ganz zuletzt
ganz ohne

Ein Gedicht von Erich Fried mit dem Titel „Was ist das?“. Ich mag seine Art zu Schreiben. Wer mag liest dieses hier noch.

Anmerkung: Das Bild ist ganz toll geworden. Ich mag es sehr. Allerdings „nur“ im Original. Der Scan ist doof. Werde demnächst probieren, ob das Abfotografieren verlustfreier ist.

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12. Dezember

„Im Nebel“, eines der bekanntesten Gedichte von Hesse. Und mein Versuch, Nebel darzustellen. Muss das noch mehr üben …

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

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11. Dezember

Und es geht weiter mit, als Rezept verpackte, Lebensweisheiten von meiner Lieblingsdichterin und einem extra quietschebunten Sorglosaquarell.

Rezept

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

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10. Dezember

Was ist Glück?

Im Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück von François Lelord“ begiebt sich der fiktive Psychiater Hector auf eine Reise durch die Welt, um dem Geheimnis des Glücks auf die Spur zu kommen.

Ich sah die Buchverfilmung und hielt einige seiner – teils trivialen, teils tiefwirkenden – Erkenntnisse im Skizzenbuch fest.

Das alltagstauglichste Lieblingszitat: Vergleiche anstellen vermießt einem das Glück!

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9. Dezember

Will dir den Frühling zeigen

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke
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8. Dezember

Für den heutigen Gedenktag musste natürlich ein eigenes Kerzentier gemalt werden. 🙂

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7. Dezember

© Melanie Garanin

Immer am 2. Sonntag im Dezember, also morgen, ist Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder. Betroffene stellen um 19 Uhr brennende Kerzen in ihr Fenster. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten Zeitzone entzündet, so dass 24 Stunden lang ein Licht um die Welt geht.

Melanie Garanin hat für ihren verstorbenen Sohn Nils Kerzentiere gezeichnet. Eine ganze Armee von Kerzentieren. Dreihunderfünfundsechzig Stück. Wie das begann, steht hier.

Anlässlich des morgigen Gedenktages stellt sie einen Link zu einem Ordner mit allen 365 Kerzentieren zur Verfügung. Zum Ausdrucken, Hinhängen, Zeigen, Verschenken – natürlich nur für den Eigenbedarf.

Qualle, Wanze, Nacktmull, Faultier, Regenwurm, Marieni, Wanze, Löwe, Affe, Esel, Tiefseewesen … Ich finde alle so schön und kann mich nicht für einen Favoriten entscheiden. Danke Melanie, für dieses tolle Geschenk.

Im Übrigen hat sich unser Sternenkind jenen Sonntag als seinen Geburtstag auserkoren. Irgendwie schön und doch schwere Kost.

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6. Dezember

Barfußschuhe! Die Entdeckung des Jahres. So gemütlich. Und wenn ich den Satz mit „Barfuß“ beginne, beende ich diesen in Gedanken oft mit den schönen Zeilen von der lieben Anke, die schon so lange nicht mehr, zumindest im herkömmlichen Sinne, unter uns ist.

Barfuß durch den Regen laufen

und jedes Steinchen einzeln zähl’n

Zeit für mich und Zeit für dich

und alles was uns glücklich macht

das wünsch ich mir für dieses

… unser aller einz’ges

Leben

(Laasi)

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5. Dezember

Freies Spiel heute morgen bei frostigen Temperaturen und Sonnenschein in unserem – dank der noch immer blühenden Ringelblumen – bunten Hintergarten.

„Ich habe viel über die Kinder nachgedacht, die mit ihren weißen Kieseln spielen und sie verwandeln: Sieh doch, sagen sie, dort marschiert ein Heer und dort sind die Herden: Der Vorübergehende aber, der nur Steine sieht, weiß nichts vom Reichtum ihrer Herzen.“

aus „Die Stadt in der Wüste“ von Antoine de Saint-Exupéry